Während die Damen I erfolgreich um den sicheren Verbleib in der Verbandsliga und Damen III ebenso erfolgreich um den direkten Wiederaufstieg in die Bezirksliga kämpfen durften, durften wir an diesem Samstag zunächst einmal lediglich mit Mittenproblemen kämpfen. Sven sonnte skifahrend seinen Stahlkörper südlich Söldens, Christian Znamenaceks Können zerlegte kurzerhand zeinen Knöchel und so standen wir gut eine Stunde vor dem Abfahrtstermin mit Todesaufschlag-Torsten als einziger Mitte da. Im Fundus verdienter TVA-Mitten a. D. kramte man schließlich Sebi Schmitz hervor, den man mit dem Versprechen auf ein kurzes Gastspiel in drei Akten mit anschließender Bierversorgung nach Bonn locken konnte.

Zudem ließ nicht der Frühling sein blaues Band, sondern der Winter in Form eines vereisten Parkplatzes unseren Landschaftsgärtner flattern. Alex aber ließ sich von einem verdrehten Knie und Fuß die Laune nicht verderben und war, euphorisiert von einem tollen Vormittag im Geburtsvorbereitungskurs und eventuell auch ein paar Schmerzmitteln, bereit sein bestes Volleyball auf die Bühne zu zaubern. Sicherheitshalber entschied man sich, mit Steffen als einzigem Libero zu starten, um für mögliche Eventualitäten Manu als Alternative in der Hinterhand zu haben. Aufwärmen und Aufschlag-Annahme konnten das Publikum nicht sonderlich begeistern, was auch Trainer Tobi vor Spielbeginn anmerkte. Spielvorbereitungen hin oder her, das Duell gegen den gleichwertigen Tabellennachbarn im Mittelfeld-Nirgendwo der Verbandsliga würde über Kampfwille, Stimmung und Sieggeilheit entschieden werden.

Erster Akt (Exposition, die wirkungsvolle Einführung des Zuschauers in Grundstimmung, Ausgangssituation, Konflikte, Zustände, Zeit, Ort und Personen des Stückes)

Im Anfang stand die Tat und so gestaltete man auch den Beginn des Stücks entschlossen. Schnell zwang man die gegnerische Mannschaft durch einen konsequenten Spielaufbau und starke Block- und Abwehrarbeit zu einer ersten Auszeit beim Stand von 7:3. Der Handlungsaufbau dieses Aktes geriet im Folgenden häufiger ins Stocken, sodass der Gegner bald zum 10:10 ausgleichen, ja sogar in Führung gehen konnte. Bis zum Stand von 18:18 konnte sich keiner der Protagonisten einen erwähnenswerten Vorsprung erkämpfen. Danach konnten sich die tapferen Recken aus der Stadt mit H absetzen, sodass der erste Vorhang beim Stand von 25:20 fiel.

Zweiter Akt (Erregendes Moment, ein dramaturgisches Mittel im Handlungsablauf eines Dramas. Es dient dazu, den dramatischen Konflikt aufzubauen und die Spannung zu erregen)

Mit unveränderten Figurenkonstellation betrat man die Bühne und es entwickelte sich ein offener Anfang. Das Publikum, angeführt von einigen Spielerfrauen und den frisch gebackenen Bezirksligaaufsteigern von Zuspieler Björn, unterstützte das Geschehen auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Jener Björn, der zuvor nach dem Motto „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“ agiert hatte und dank einer Vielzahl an Cheeseburgern heiß wie Frittenfett war, brachte frischen Wind auf das Spielfeld und bediente neben den bereits im ersten Satz durchschlagkräftigen Angreifern nun auch Steffen, der kurz zuvor eingewechselt worden war. Die zunehmend aggressive Haltung eines gegnerischen Spielers sowie die teilweise zweifelhaften Eingriffe des Spielleiters auf dem Bock hätten bereits einen Ausblick auf den weiteren Handlungsverlauf liefern können, der sich für unsere Helden noch schwieriger gestalten sollte, als zu diesem Zeitpunkt angenommen. Dennoch gelang es, auch diesen Akt mit solider Leistung in allen Spielelementen zum 25:22 und somit einem guten Ende zu führen.

Dritter Akt (Peripetie, auch Höhe- oder Wendepunkt, Änderung des Handlungsablaufs)

Die Aufführung, die als Dreiakter geplant war, ging weiter und man hoffte auf einen baldigen positiven Ausgang. Doch da der Mensch irrt, solang er strebt, ermöglichte man den Antagonisten auf der anderen Seite des Netzes zunächst einmal einen Vorsprung von 6:0. Einer Auszeit folgte der Wechsel auf der Außenposition, der Kai die Möglichkeit gab durchzuschnaufen. Zwar wurde der Rückstand im weiteren Verlauf des Satzes nicht größer aber es gelang auch nicht, diesen zu verkürzen. Ärgerlich waren neben der schwächelnden Leistung auf dem Feld auch einzelne Bälle, die den gegnerischen Boden oder Trennvorhang ungeahndet berühren durften. Nichtsdestotrotz bleibt festzuhalten, dass der Durchgang im Endeffekt verdientermaßen an die Bonner ging. Diese verwalteten den frühen Vorsprung trotz einer späten Aufholjagd mit dem wieder eingewechselten Kai (von 15:22 zu 21:23) und gewannen schließlich mit vier Punkten Vorsprung.

Vierter Akt (Retardierendes Moment, die Katastrophe scheint unausweichlich)

Neuer Satz, neues Glück? Mitnichten. Von Anfang an liefen unsere Mannen einem Rückstand hinterher und während die gegnerische Abwehr den Ball regelmäßig abwehren und aufbauen konnte, war diesseits des Netzes allzu oft ein weites Feld, in dem der Ball irgendwo untergebracht werden konnte. Saft- und Kraftlosigkeit auf der Bühne, seltener werdende Beifallsbekundungen vonseiten des Publikums auf dem Parkett und den Rängen, allzu redundant die Eigenfehler. Die Stimmung ging dahin, für Wallung sorgten lediglich die nonverbalen kommunikativen Akte zwischen einigen unserer Spieler und dem charmanten Gegenüber auf der Diagonalposition: Zwischenmenschliche Kabale? Wer weiß… Liebe war es jedenfalls nicht, was da in den Augen einiger Protagonisten blitzte. Zwei Auszeiten und ein Zuspielerwechsel hinderten die Kontrahenten nicht daran, mit dem 25:16 eine Punkteteilung zu erzwingen. Gezeigte Leistung, mir graut’s vor dir!

Fünfter Akt (Alle Konflikte werden gelöst)

Nichts ist gewonnen, alles ist dahin. So fühlte man sich nach dem verspielten Zweisätzevorsprung. Regisseur Tobi ermutigte seine Truppe noch einmal und erinnerte an seine Worte vor dem ersten Satz: Kampfwille, Stimmung und Sieggeilheit würden den Ausschlag geben, ob man die drohende Katastrophe noch abwenden könne. Und so öffnete sich der Vorhang für den fünften, den letzten, den alles entscheidenden Akt. Und da jedem Anfang ein Zauber innewohnt, zeigte man sich, … wie bereits im ersten und zweiten Akt, spielstark. Souffleur Tobi zeigte an, welcher Annahmespieler geopfert werden sollte, Angaben saßen, Abwehren passten und Wolf ließ nicht nur seine Aufschläge verheerend über das Netz schweben sondern auch seine Mitspieler im Angriff glänzen. 4:1 lautete daher schnell der verdiente Vorsprung der den Bonner Trainer zu einer ersten Auszeit zwang. Da an diesem heutigen Abend aber zwei Seelen (ach!) in uns’rer Brust wohnten, zeigte man sich daraufhin, … wie bereits im dritten und vierten Akt, konstant unkonstant und wechselte beim Stand von 5:8 ein letztes Mal die Netzseite. Man rotierte erneut auf der Außenposition und biss sich abermals in das Spiel hinein, ließ die Bälle nur noch selten auf den Boden fallen und punktete im Angriff. Schlussendlich erfolgreich, wenn auch wenig ruhmreich, erkämpfte man sich schließlich mit einem 15:12 den zweiten Punkt, derer es eigentlich drei hätten werden sollen. Auf der Bühne lagen Leichen mit aufgeschlitzten Bäuchen. Unseren Helden hatte dieses Drama alles abverlangt, Alex hüpfte nur noch einbeinig (Ach, neige, du Schmerzensreiche) und Sebi beschwerte sich über die Überlänge des Stückes und den fehlenden Gerstensaft.

Epilog

Coach Tobi paradoxierte von der Konstanz der Inkonstanz und blickte in müde Gesichter. Die Krone für den besten Darsteller ging nach der diesjährigen Premiere im Herren 4-Ensemble an Sebi Schmitz, der in seiner Gastrolle zu überzeugen wusste. Es bleibt ihm zu wünschen, dass er sich am nächsten Morgen nicht wie Gregor Samsa aus unruhigen Träumen erwacht, in seinem Bett zu einem ungeheuren Muskelkater verwandelt fand. Bierdienstler, Chronist und Aushilfsaußen Manu brachte im Anschluss den Saft, der eilig trunken macht und man widmete sich gedanklich schon dem letzten Auftritt der Spielzeit, bei dem man in zwei Wochen dem Kontrahenten Stotzheim auf heimischer Bühne einen tragischen Abgang verschaffen möchte. Sein oder Nichtsein, das wird dann die Frage sein. Und zwar Vierter in der Abschlusstabelle. Dazu wird die heute gezeigte Leistung dann sicher nicht genügen aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Hürther Helden in diesem echten Klassiker regelmäßig ganz große dramatische und epische (lyrische eher selten) Kämpfe präsentieren können. Die Herren 4 freut sich auf gefüllte Publikumsränge, gelobt Besserung und wird bemüht sein, sich im besten Licht und mit konstanter Konstanz zu präsentieren. Ein versöhnlicher Abschluss gelang im Übrigen einem Teil der Truppe, der sich nach der Vorstellung ein reichhaltiges Pizzamahl gönnte. Man hatte sich im Vorfeld gegen Jägerschnitzel mit Pommes entschieden, um ein mögliches gutbürgerliches Trauerspiel zu verhindern.

Wer weiß, ob es sich genau so zugetragen hat. Die Form dominiert den Inhalt. Man möge es dem Autor dieser Zeilen verzeihen. Die Deutsch-Vorabiklausuren liegen unangerührt und der Plan eines schnellen Runterschreiben des Berichtes hat sich ebenfalls als Trugschluss erwiesen. Faust und Verwandlung lassen grüßen.

Auf der Bühne zu sehen waren:

Steffen Zindler, Torsten Fricke, Alexander Roozen, Steffen Probst, Björn Derpa, Kai Derpa, Wolf Kleemann, Oliver Greb, Sebi Schmitz und Manuel Croon

Regisseur und Souffleur: Tobias Goerlich

 

Bericht von Manuel Croon